Otto Oesterle
Buchbesprechungen

Eine Alternative zu Kirchhoffs "Weltmodellen"

zu Jochen Kirchhoffs Werk:
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"Räume, Dimensionen, Weltmodelle. Impulse für eine andere Naturwissenschaft"

Kreuzlingen/München 1999
Hugendubel/Diederichs new science

Allgemeines zu Kirchhoffs Buch aus empirischer Sicht

Die Sprache von Herrn Kirchhoff ist sehr anschaulich, seine Kritik an der mathematisierten Naturwissenschaft und der arroganten Schulphysik beeindruckt. Diese sei leblos, ihr fehle die Seele, der Geist, die Vernunft. Der Kosmos müsse einen Sinn haben. Eine integrale, ganzheitliche Naturwissenschaft muß das einschließen. In den Fundamenten unserer bisherigen Naturwissenschaft stimme etwas nicht, und deshalb habe diese sich und unsere Welt in eine Sackgasse hineinmanövriert. Seine Kritik am Urknallmodell und seine Forderung, der Äther solle "zurückkehren", sind mutig. Erfahrungen zeigen, daß die Zahl der deutschen Fachprofessoren und -dozenten, die dies ähnlich sehen, viel größer ist als die Zahl derer, die das wie Kirchhoff (als Außenseiter im akademischen Betrieb) auch offen aussprechen.

Probleme entstehen, wo Kirchhoff anfängt, seine alternativen Modelle darzustellen. Er stützt sich z.B. auf ein Gravitationsmodell von H. F. Krause, der behauptet, Gravitation sei eine Strahlung. Der "ungeheure Druck im Gestirnkern" zerreiße "die Bindekräfte der Materie", und diese zerstörte Materie werde dann ins Weltall "in radialer Form verstrahlt". Schon Gymnasiasten wissen dagegen, daß allseitiger Druck Bindekräfte nicht zerstören kann. Im Gegenteil, er bildet Bindungen zwischen den Teilchen der Materie und wandelt so z.B. unansehnliches Graphitpulver zu prächtigen Diamanten um. Der Gedanke eines "unendlichen" Drucks im Erdinnern ist als Flucht in eine Absolutheitsvorstellung in der Naturwelt illegitim und experimentell nicht zu stützen.

Die Seriosität von Herrn Krause als Naturwissenschaftler kennzeichnen auch folgende Beispiele. Er behauptet, daß die Atomkerne zur "Sphäre des Absoluten" gehören, daß die Randfarben des Regenbogens - violett und rot - mit der Zeit verschwänden. Und die Bestätigung dafür findet er nicht in Beobachtungen oder Experimenten, sondern - im Alten Testament.

Um das Ganze, um ein ganzheitliches Weltbild geht es Herrn Kirchhoff vor allem. Die Teile des Ganzen müssen aber kausal miteinander verbunden sein. Deshalb erwähnt er zutreffend David Bohm, der eine kausale Erklärung der Quantentheorie vorgeschlagen hat. Auch die Kritik an der übermäßigen Mathematisierung und Computer-Simulierung der Physik ist richtig. Doch diese Kritik wird nicht konsequent durchgeführt. Statt das physikalische Wesen der Gravitation zu klären, wird behauptet: "Gestirne sind kosmische Großorganismen, die offenbar(?) mit einem eigenen (überichhaften) Bewußtsein ausgestattet sind ... Gestirne sind Götter... auf der transmentalen Ebene"(223). Auch die Erde habe einen Willen und deshalb gleichermaßen ein Bewußtsein (vgl. das 1998 erschienene Buch von J. Kirchhoff: "Was die Erde will"). Bei aller Phantasie ist es unmöglich, in solchen Formulierungen einen physikalischen Sinn zu finden. Das sind Verabsolutierungen, die "Fremdkörper" gerade für ein ganzheitliches Naturverständnis sind, weil sie die Kausalketten zerreißen. Ein einfaches Beispiel. Wir nehmen einen idealen elektrischen Isolator und versuchen nach dem Ohmschen Gesetz, den Strom durch ihn bei einer bestimmten Spannung, z.B. 1000 V, zu berechnen. Soche eine Berechnung ist unmöglich, weil der Widerstand unendlich gesetzt wird. Solch eine Setzung zerreißt die Abhängigkeit des Stromes von der Spannung. Zum Glück gibt es in der Wirklichkeit keine idealen Isolatoren.

Das Grundprinzip der Naturwissenschaft: "Nichts Absolutes!"

Dieses empirische, d.h. auf der Erfahrungs-Wirklichkeit basierende und nicht bloß postulierte Grundprinzip kann nicht genügend hervorgehoben werden: Das moderne wissenschaftliche Weltbild besteht aus zwei einander widersprechenden Vorstellungen: aus einem absoluten Teil (absolut nach Brockhaus: abgelöst, unabhängig, unbeschränkt, ideal, unbedingt, unendlich, ewig) und aus einem relativen Teil (lat.: relativ - vergleichbar, verhältnismäßig, eingeschränkt, endlich, abhängig). Das Absolute wurde nie beobachtet oder experimentell festgestellt und widerspricht dem Prinzip der Kausalität: Es zerreißt, wie schon gesagt, die Kausalketten. Abgelöstes kann nichts bewirken. Ebenso widerspricht ein Absolutes der Ganzheitlichkeit: Alle Teile eines Ganzen, z.B. des Universums, sind kausal miteinander verbunden. Absolutes wird mathematisch mit Parametergrößen "null" oder "unendlich" bezeichnet. Objekte mit solchen Parametergrößen gibt es in der Natur nicht. Man muß auch deshalb sorgfältig mathematische und physikalische Vorstellungen voneinander trennen (was nicht als Abwertung der Mathematik als Forschungsinstrument verstanden werden soll). Im Gegensatz dazu entsprechen Modelle mit relativen, vergleichbaren, endlichen, miteinander verbundenen und verknüpften Parametern den Prinzipien der Ganzheitlichkeit und Kausalität und damit der Wirklichkeit.

In der Physik hat am Anfang des 20. Jahrhundert das Mathematische gewonnen. Heisenberg sah als "die letzte Wurzel der Erscheinungen ... nicht die Materie, sondern das mathematische Gesetz, die Symmetrie, die mathematische Form" (W. Heisenberg in: "Vom Geist der Naturwissenschaft", hrsg. von H. Holz und J. Schickel, Zürich 1969, 184). Seitdem versucht man vergeblich, eine "Weltformel" zu konstruieren. Aus der Ganzheitlichkeit folgt aber eine weitere Einsicht und Regel: Das Fundament der Physik kann nicht mathematisch sein, sondern nur physikalisch. Ideales und Reales darf man nicht verwechseln.

Wenn das Prinzip "alles in der Welt ist relativ, d.h. endlich, veränderlich und vergleichbar" richtig ist - ich wäre neugierig auf wenigstens ein Beispiel, das diesem Prinzip widerspricht -, dann müssen mehrere anerkannte Theorien und Modelle falsch sein. Die Einsteinsche Relativitätstheorie wurde schon erwähnt. Das Urknallmodell beinhaltet ebenfalls Verabsolutierungen, z.B. einen absoluten Anfang (Zeit gleich null). Deshalb kann dieses Modell auch nicht beantworten, was vor dem Urknall war und warum er stattgefunden hat. Auch Klimatheorien mit Treibhauseffekten auf der jungen Erde, die absolut beständige Weltkonstanten in Zeitspannen von Milliarden Jahren einschließen, sind falsch (ausführlicher in Oesterle 1997).

Das "Rätsel" der Gravitation

Nun ist es erstaunlich, aber wahr, daß das Phänomen Gravitation, mit dem jeder Mensch tagtäglich zu tun hat, bis heute keine allgemein akzeptierte, widerspruchsfreie Erklärung gefunden hat. Es gibt allerdings gegenwärtig Dutzende von Gravitationstheorien, die Kirchhoff nicht zu kennen scheint. Sonst könnte er mit der seinen, von Krause übernommenen, nicht solche Originalitätsansprüche stellen. Es genügt für diese Grundfragen nicht allein der ständige Verweis auf "die herrschende Physik" als einzige Alternative, auch wenn es ein Herrschaftsgeflecht von Vorurteilen in unserer sich so aufgeklärt gebenden Naturwissenschaft leider tatsächlich gibt.

Zu diesen Vorurteilen gehört nicht zuletzt seit Einstein (ungeachtet von dessen eigener späterer Unsicherheit) die Verwerfung des Äthers. Ohne dessen Annahme gibt es u.a. keine befriedigende Gravitationstheorie, wie nun gezeigt werden soll. Übrigens bleibt die Verbindung zwischen Gravitation und Äther bei Kirchhoff unklar.

Die "offizielle" Einsteinsche Theorie, die die Schwerkraft als Ergebnis der Krümmung des leeren Raumes darstellt, kann einen erfahrungsnah und logisch denkenden Menschen nicht befriedigen. Die Krümmung z.B. ist eine Eigenschaft, die eine Intensität hat. Autofahrer wissen, daß es scharfe und nicht so scharfe Kurven gibt. Wie kann aber ein leerer Raum, also Nichts, eine solche Eigenschaft haben? Und dieses Nichts ist auch noch eindeutig dreidimensional, und nicht z.B. zwei- oder vierdimensional. Aus diesen Gründen nimmt die Zahl der Kritiker der Relativitätstheorie zu. Hinzukommt, daß diese Theorie ihrem eigenen Namen widerspricht, weil sie absolute Komponenten beinhaltet: Dichte des Raumes gleich null, eine konstante und nicht überwindbare Lichtgeschwindigkeit. Auch ihre Teile: die Spezielle und die Allgemeine Theorie, widersprechen einander. Wodurch aber kann man diese Theorien ersetzen? Eine konsequent ganzheitliche physikalische Erklärung der Gravitation kann - kurz zusammengefaßt - auf der im Folgenden dargestellten Äthertheorie basieren, bei der die in der Fachliteratur zu findenden Vorschläge keineswegs ignoriert werden.

Immer wieder wird die alte Schirmtheorie des Schweizers G.L. Lesage (1782) reanimiert (neu erfunden), die annimmt, daß jeder Himmelskörper durch eine kosmische Ätherströmung von allen Richtungen her durchdrungen wird. Dabei bleibt ein Teil der Strömung im Körper "stecken". Deshalb trifft auf jeden Körper von der Richtung eines anderen Körpers eine schwächere Strömung als von der Gegenrichtung, und so entstehen Schubkräfte (und nicht Anziehungskräfte!), die den Massen der Körper proportional und ihrem Abstand voneinander umgekehrt proportional hoch zwei sind und die die Körper gegeneinander "treiben" (genau nach der Newtonschen Formel). Dieses Modell enthält aber unüberwindbare Widersprüche. Nur wenn die Ätherteilchen miteinander nicht zusammenwirken (also Bosonen sind, wie z.B. Photonen), dann können sie ihre Anfangsrichtung erhalten, erzeugen aber auch keine wesentliche Schubkraft. Wenn sie aber zusammenwirken (und also Fermionen sind), können sie ihre anfängliche Bewegungsrichtung wegen ständiger Zusammenstöße miteinander nicht aufrechterhalten. Wie soll man sich nun Teilchen vorstellen, die einerseits unseren riesigen Planeten leicht durchdringen, andererseits aber in einem relativ zur Erdkugel winzigen menschlichen Körper ein Gewicht von 60-80 kg erzeugen?

Ferner gibt es die Pulsationstheorie der Gravitation von Poincaré, Bjerknes, Challis, Hikes, Barton, J. Ivanov, u.v.a.: Teilchen, deren Volumen rhythmisch größer und kleiner werden, können sich anziehen oder abstoßen, abhängig von den Phasen der Pulsationen. Sie müssen aber alle, große und kleine, im gleichen Rhythmus pulsieren, und das ist ein ungelöstes Problem. Schließlich sei die Quelle-Ablaß-Theorie von Riemann, Pirson, Shott genannt, die ich als Sonderfall in eine neue Gravitationstheorie zu integrieren versuche.

Der Raum kann – schon gemäß dem Grundsatz der Nicht-Absolutheit - nicht leer sein, er ist mit einem Medium ausgefüllt. Richtiger: der Raum ist dieses Medium, weil es erstens keinen absolut leeren und zweitens überhaupt keinen "absoluten Raum" gibt. Welche Eigenschaften hat nun dieses den Raum konstituierende Medium? Ich nehme bis auf Weiteres an, es ist eine Flüssigkeit mit sehr geringer Viskosität (Zähigkeit) und Dichte. Es ist also dem suprafluidalen Helium-II ähnlich. In dieser Flüssigkeit werden bestimmte Strukturen (Wirbel, Wellen) leicht entstehen und lange Zeit existieren. Mehrere unabhängig voneinander entstandene Theorien (von H. Helmholtz, W. Thomson, W. Azjukowskii, W. Bauer, C. Hilgenberg, K. Meyl, H.-P. Seiler, I. Gerlovin u.a.) zeigen, daß Elementarteilchen, Atomkerne, Atome, Moleküle, usw. Wirbelstrukturen dieses Mediums sind. Ein Teil dieser Forscher sehen das Medium als Gas, andere als Flüssigkeit. Alle aber nehmen an, es sei kompressibel, d.h. bei der Wirbelbildung verdichtet sich das Medium.

Selbst die Ursache der Quantelung im Mikrokosmos folgt aus den Eigenschaften dieses Mediums: Stabile Wirbelstrukturen können nicht beliebige Parametergrößen (Radien, Ladungen usw.) haben, sondern nur solche, die nach ganzen Zahlen von stehenden Wellen existieren. Laufende (nicht stehende, nicht gequantelte) Wellen dagegen haben große Energieverluste, weil sie Energie ausstrahlen. Wegen dieser fundamentalen Quantelung hat es Sinn, dieses Medium Quantenäther zu nennen, um die großen Physiker der Vergangenheit zu ehren und gleichzeitig zu unterstreichen, daß es ein modernes Raummodell ist.

Madelung hat schon 1926 gezeigt, daß die Quantentheorie des Mikrokosmos einfach aus den Gesetzen der Hydrodynamik folgt und keine übersinnlichen Synthesen von Teilchen-Wellen-Dualismen, Wahrscheinlichkeitsdichten und Unschärfe-Relationen braucht: Weil die Wirbel unteilbare Teilchen sind (wenn man sie teilt, werden sie zerstört), weil sie bestimmte Größen haben und stehende Wellen beinhalten, haben sie gleichzeitig Eigenschaften von Wellen und Teilchen.

Das Wirbelmodell löst zugleich das alte Problem: Besteht die Materie aus unteilbaren "Atomen" mit "Lücken" aus leerem Raum zwischen ihnen (dieses Modell beinhaltet zwei Verabsolutierungen), oder ist sie unendlich teilbar (das wäre ebenfalls eine Verabsolutierung)? Wirbelringe haben eine Besonderheit: Bei großer Bewegungsgeschwindigkeit werden sie kleiner und bei langsamer Bewegung größer. Das beschreibt auch die empirisch gefundene de-Broglie-Gleichung l =h/mV. Ein Gas aus solchen Teilchen wird sich im Unterschied zum "normalen" Gas bei der Abkühlung ausdehnen. Deshalb füllen sie alle leere "Lücken" aus, bilden ein kontinuierliches Medium und "brauchen" keine unendliche Reihe von Teilchen immer kleinerer Ordnung, um die Kontinuität zu erreichen.

Wo und wie entstehen die Wirbelstrukturen? Mehrere Naturwissenschaftler (J. Yarkovsky, C. Hilgenberg, C.F. Krafft, S.W. Carey u.a.) vermuteten, daß Himmelskörper Äther absorbieren und ihn in ihrem Inneren zur stofflichen Materie verwandeln. Es gibt heute in der Geologie Hunderte von Fakten, die das Wachstum der Erde, die Erdexpansion, bestätigen. Einige davon: Alle äußeren Grenzen der Kontinente passen zusammen. Die Kontinente können deshalb auf einer kleineren Erdkugel zusammengeführt werden. In der Tat gab es vor ca. 250 Millionen Jahren noch keinen Atlantischen Ozean. Der Durchmesser der Erde war zweimal kleiner. Nach Satelliten-Lasermessungen entfernen sich überwiegend, d.h. ungeachtet von kurzfristigen Schwankungen, die Kontinente voneinander. Die im Erdinnern produzierte Wärmeenergie nimmt zu, was übrigens die wirkliche Ursache der Klimaerwärmung ist, usw. (ausführlicher im 3. Kap. des Buches "Goldene Mitte").

Die wichtigste Konsequenz der Erdexpansion besteht darin: Die Schwerkraft nimmt ständig zu, was z.B. die Untersuchungen der früheren Sandabhänge und die heutige Zunahme des Gewichtes der Eichmaße beweisen. Auch das Aussterben der riesigen und auf der damaligen kleineren Erde noch nicht so schweren Dinosaurier kann das bestätigen. Doch die etablierten Geologen trauen sich nicht, der etablierten Physik zu widersprechen, die lehrt: "Aus dem Nichts kann keine Materie entstehen!". Sie beharren auf dem Modell der Plattentektonik, welches behauptet, daß die Kontinente-Schollen aus irgendwelchen Gründen auf der Erdoberfläche einer Erdkugel von beständiger Größe herumschwimmen.

Aus dem Expansionsmodell folgt, daß die Planeten wachsen und immer heißer werden, bis sie das Entwicklungsstadium der Sterne erreichen. Die Astronomen haben diese Hypothese schon früher aufgestellt. In den Sternen stellt sich eine ausgeglichene Bilanz der einsaugenden Materie (Quantenäther) und ausscheidenden Materie (Licht usw.) her. Jupiter z.B. strahlt bekanntlich viel mehr Energie aus, als er von der Sonne bekommt. Er bildet also mit seinen Satelliten ein zukünftiges Sonnensystem.

Aus der Erdexpansion (bzw. der Expansion aller "kalter" Himmelskörper und der Lichtstrahlung aller Sterne) ergibt sich somit erst die vollständige Erklärung der Gravitation: Wenn im Erdinnern der Quantenäther sich ständig zur "normalen" Substanz verwandelt, dann muß die Erdkugel von allen Seiten Äther "einsaugen" (das entspricht auch der genannten Quelle-Ablaß-Theorie). Dann befinden wir uns in einer Ätherströmung, die alle Körper ins Erdinnere "mitreißt" und so unser Gewicht bewirkt. Je größer ein Himmelskörper und je kleiner der Abstand zu ihm, desto größer ist die Geschwindigkeit der Strömung in sein Inneres hinein (wie in einem immer enger werdenden Wasserleitungsrohr). Und das ist m. E. die Ursache der Beschleunigung frei fallender Körper, also der Gravitation.

Einige Folgerungen und Ausblicke

Weil Wirbel sich im Quantenäther leicht bilden und lange existieren, gibt es im Universum immer mehr Teilchen (das bestätigte auch Paul Dirac) und immer weniger "freien, räumlichen" Quantenäther. Deshalb verändern sich allmählich die Eigenschaften des Raumes selbst und mit ihnen die Werte der Weltkonstanten. Auch deren Beständigkeit kann nicht absolut sein.

Die dargelegte Sicht entspricht Prigogines Vorstellungen, der zeigte, daß die Irreversibilität der Prozesse in unserer Welt nicht auf der chemischen Ebene "entstehen" kann. Diese muß schon im Fundament, im Mikrokosmos da sein. Jetzt ist die Prigogines Vermutung bestätigt. Die Irreversibilität entsteht durch die allmähliche Verwandlung des Quantenäthers in dichte, stoffliche Materie. Und dieses Phänomen dürfte das Wesen der Zeit sein.

Eine abschließende Bemerkung zum Wesen der Evolution, die ja in der Zeit verläuft. Wirbelstrukturen mit extremen Parametern (z.B. Elementarteilchen mit kleinen und großen Massen) sind instabil, sie entstehen ständig und vergehen wieder. Stabile Strukturen mit mittleren Parametern reichern sich dagegen an. Sie bilden Atome, Moleküle (Atombindungen mit mittleren Energien kommen auch häufiger vor), organisieren sich unter bestimmten "mittleren" Bedingungen zu einfachen und dann immer komplexeren Lebewesen, bis zu vernünftigen. Dabei wächst mit der Komplexität auch die Stabilität der belebten Systeme, weil sie die biologische Erbsubstanz DNS immer effektiver von der veränderlichen Umgebung durch Membranen, Mehrzelligkeit, Haut, Gefieder und Fell, Warmblutigkeit, Kleidung, Feuer, Behausung, Klimaanlagen, gesunde Nahrung usf. isolieren. Die Evolution ist also nicht zufällig, ihr "Ziel" ist maximale Stabilität, bei der die freie (nicht gebundene) Energie der Erbsubstanz das niedrigste Niveau erreicht. Dieses Streben zur maximaler Stabilität bei minimaler freien Energie ist ein universelles Naturgesetz. Ihm unterwirft sich ein in Ruhe kommender Pendel, das von den Bergen fließende Wasser, oder ein wachsender Kristall, der übrigens, auch wie die DNS mit der wachsenden Komplexität - der Zahl der Atome - immer stabiler wird.

Ich stimme mit J. Heinrichs darin überein, daß die Überwindung des naturwissenschaftlichen Materialismus nicht durch Vermischung mit geistigen und seelischen Gesetzen, sondern durch geordnete, methodische Inbezugsetzung zu diesen geschehen muß. "Komplexität" oder "Strukturen mit mittleren Parametern", auch Gedanken und Seelisches als "Ätherstrukturen" sind solche inbezugsetzende Begriffe aus der Perspektive des Körperlichen.

Diese Vorstellung löst zugleich die Paradoxe bzw. die berechtigten Postulate des anthropischen Prinzips in allen seinen Varianten: Daß der Mensch nicht nur tatsächlich, sondern notwendig am Ende der evolutiven Entwicklung des Kosmos stehen mußte. Wenn alle Naturphänomene von der Kernphysik bis zur Biologie und Kosmologie sich den Gesetzen der Quantenäther-Hydrodynamik unterwerfen, braucht man sich nicht zu wundern, warum die Physik so gut an die Existenz des Menschen angepaßt ist. Die Chemie, besonders die von mir entwickelte "statistische Chemie" (Kap. 2 meines Buches) löst das Problem des Zieles der Natur. Stabile Strukturen mit mittleren Parametern existieren länger als instabile mit extremen Parametern, deshalb findet im Universum eine Anreicherung stabiler Strukturen statt. Und der Mensch ist die Spitze der Pyramide von mittleren Strukturen.

Jochen Kirchhoff fragte in seinen Büchern, ob der Kosmos absurd ist oder ob er Sinn hat, ob er uns gegenüber feindlich, freundlich oder gleichgültig ist? Und ob die Erde uns will? Wenn das Universum ganzheitlich ist – und es deutet alles darauf hin, daß es wirklich so ist -, dann kann man es mit einem Lebewesen, z.B. mit einem menschlichen Organismus, vergleichen. Ist es dem Kopf egal, ob der menschliche Körper auch Beine, Hände und Lungen hat? Natürlich nicht! Das sind notwendige Teile des Ganzen. Und das Ganze "strebt" zur maximalen Stabilität. Dabei sind die mit vernünftigen Wesen besiedelten "Inseln" des Universums, wie z.B. unsere Erde, die kompliziertesten und deshalb die stabilsten Orte.

Das klingt paradox, wenn man den Zustand der heutigen Menschheit ansieht. Doch das ist ein Charakteristikum des geschichtlichen Wendepunktes. Die Jugendzeit, die Ausbildungszeit, der Menschheit geht zu Ende. Bald fängt ein erwachsenes Leben an. Ein ganzheitliches Wissen, ermöglicht die Überwindung der Menschheitskrisen. Dazu gehört in der Tat eine "andere Naturwissenschaft", befreit von Verabsolutierungen und anderen Phantasien, ebenso wie von den üblichen materialistischen Reduktionismen.

Literaturverzeichnis

Lesage G.L., Lucrece G. Newtonian, Nouv. Memories de l'Academie Royale des Science. Berlin, 1782.
Madelung, E., Quantentheorie in hydrodynamischer Form. Z. für Phys. 40, 3, 4, 1926, 327.
Oesterle, O., Goldene Mitte: Unser einziger Ausweg. Vom zersplitterten zum ganzheitlichen Wissen. Universal Experten Verlag, ISBN 3-9520261-9-0, 1997.
Podkletnov, E. & Nieminen, R. Physika, C, vol. 203, p. 441, 1992.
Prigogine, I. & Stengers, I. Order out of Chaos. Heiniemann, London, 1984.

Otto Oesterle, Berlin, April 2000